Meditation – Jetzt Anfangen

Ich erinnere mich noch gut, wie ich als 10 Jähriger meinen Stiefvater beim Meditieren vor beobachtete. Für mich war es komplett unverständlich, wie jemand „keine Gedanken” haben kann - löst man sich da nicht auf? Es erschien mir also wie ein komplett unmögliches Unterfangen, aber interessierte mich trotzdem.

Als mein Stiefvater dann noch erzählte, dass er in einem Retreat mit Leonard Cohen zusammen meditiert hatte (weil er und Cohen den selben Zen-Meister hatten), da war es für mich klar: Meditieren ist cool! (Auch wenn er nicht mit Leonard Cohen reden konnte, weil sie in Stille waren… wie fad!)

Es hat dann doch noch etwas gedauert bis ich selber aktiv mit dem Meditieren begonnen habe - aber mittlerweile bin ich schon 13 Jahre dran und ich kann bestätigen, dass ich noch immer da bin - auch wenn ich immer öfter gedankenfrei bin.

Aber genug über mich… nun zu Dir!

Wenn Dir das Leben gezeigt hat, dass Meditation für Dich notwendig ist, dann schätze Dich glücklich. Diese Erkenntnis ist ein Segen, auch wenn er oft in scheinbar “negativer” Form auftaucht. Und wenn Du dir nicht ganz sicher bist, ob Meditation das richtige für Dich ist, dann versuche es trotzdem!

Meditation ist in allen spirituellen Traditionen einer der wichtigsten Schlüssel am Weg zur Erleuchtung. Wenn Dir das zu abgehoben klingt, dann betrachte Meditation einfach als Methode zur Beruhigung deines Geistes, eine Art “Reset”-Knopf, den Du hin und wieder drücken solltest, um im Kopf gesund zu bleiben (und nebenbei auch glücklicher zu sein).

In diesem Artikel (und Folgenden) möchte ich auf die Grundlagen der Meditation eingehen und Dich dazu einladen in Deinem Leben Platz für eine regelmäßige Meditationspraxis zu schaffen. Ich werde versuchen Dir einen Überblick über die Praxis zu geben. Und lass Dich nicht durch die vielen Worte demotivieren. Der Einstieg in die Meditation kann oft etwas schwierig sein. Aber keine Sorge - es muss nicht gleich alles "funktionieren" und Du musst auch nicht alles verstehen. Das Wichtigste ist, dass Du mit der Meditation anfängst, daran gefallen findest und dran bleibst...

Was ist Meditation eigentlich?

Um richtig zu praktizieren, sollte man zunächst wissen, was Meditation eigentlich heisst und und was das Ziel der Meditation ist. Hier eine kurze Einführung, auch wenn natürlich nicht alles gesagt ist...

Das Wort “Meditation” hat zwei Bedeutungen:

  1. Meditation heisst, in seiner wahren Geistesnatur verharren, frei von Anhaftungen und Ängsten, frei von zwanghaftem Denken, frei von der Illusion des Egos. Doch dieser Zustand kann nicht erzwungen werden. Deshalb gibt es…

  2. Die Meditationspraxis zielt darauf aus den Geisteszustand zu kultivieren, in dem der spontan Zustand der Meditation eintreten kann. Man bereitet quasi das Feld vor, und wartet dann auf den Segen von Sonne und Regen um am Ende die Früchte der Meditation zu ernten.

    Die Meditationspraxis wird auch als ein "sich wieder an an seine Geistesnatur Gewöhnen" bezeichnet. Wir haben uns zu lange ausschließlich mit unseren Gedanken identifiziert und sind es somit nicht mehr gewohnt in der Leere unserer Geistesnatur zu verharren.

    In der Meditationspraxis wird also nicht wirklich etwas neues gelernt oder erreicht, sondern man übt sich darin, seinen Geist wieder zur Ruhe kommen zu lassen um unabgelenkt in seiner Geistesnatur zu verharren. Man lernt also nichts grundlegend Neues, sondern kehrt zu seinem ursprünglichen, natürlichem Geisteszustand zurück.

Anfangen & dran bleiben

Das wichtigste an der Meditation ist Kontinuität. Sich von der Identifikation mit seinen Gedanken und Emotionen zu trennen und mit seiner waren Geistesnatur „anzufreunden“ ist ein lebenslanger Prozess. Für mich heisst das, dass man es ganz entspannt angehen sollte.

Dazu eine kurze Anekdote:

Diesen Sommer habe ich in Italien einen Spanier getroffen, der mir davon berichtet hat, dass er mit einem Freund in Indien als Einstieg in die Meditation, an einem Vipassana Retreat teilgenommen haben. Ein klassisches Vipassana Retreat ist 10 Tage lang, es wird den ganzen Tag sitzend meditiert und alle Teilnehmenden Schweigen. Ein Retreat in dieser Form kann zu einem wundervollen, offenen Geisteszustand führen. Ob eine solche Intensität für Meditationsanfänger jedoch gut ist, wage ich zu bezweifeln. Der Spanier und sein Freund konnten jedenfalls damit nicht umgehen und haben nach 4 Tagen aufgehört. Scheinbar hat sie die äußere Stille, mit gelegentlicher Unterbrechung durch diverse Körpergeräusche, etwas irritiert… Und jetzt, nach dem Retreat, meditieren er und sein Freund jedenfalls nicht mehr. Schade...

Langsam beginnen

In meinen Augen ist es ausreichend Anfangs ein paar Minuten, ein oder besser zwei Mal täglich zu meditieren. Wenn Du Dich an deinen hektischen Geist gewöhnt hast und dich mit der Dauer wohl fühlst, kannst Du langsam die Dauer verlängern.
Regelmäßigkeit ist jedenfalls wichtiger als punktuelle lange Sitzungen.

Und langsam beginnen nehme ich mir zu Herzen und höre hier für heute auf...

"Was? Dabei hast du noch gar nicht geschrieben, wie man meditiert!", könntest du jetzt sagen.

Und damit hast du recht... also hier eine ganz schnelle Einweisung zum langsam beginnen:

  • Setze dich bequem, mit aufrechtem Rücken hin.
  • lass deine Augen ganz leicht geöffnet, deine Hände liegen auf deinen Knien.
  • Beobachte deinen Atem. Er ist ruhig. Verändere ihn nicht.
  • Verharre in diesem Zustand für ein paar Minuten.

Wenn Gedanken oder andere Ablenkungen auftauchen, beobachte sie, ohne auf sie zu reagieren. Schiebe nichts von dir, halte nichts fest. Was auch immer in Dir und um Dich passiert, versuche Dich für den von Dir festgelegten Zeitraum nicht zu bewegen. (Ein Timer kann hierbei nützlich sein.)

Das klingt vielleicht recht simplizistisch, aber es ist nicht so einfach wie es klingt. ;)

Bald geht's weiter in die Details...

Ich wünsche Dir Entspannung und Beständigkeit.

Sean.


Weitere Artikel in der Serie „Grundlagen der Meditation“.

Veröffentlicht am: 16.10.2014