Meditation – Davor, Dazwischen, Danach

Im Rahmen meiner Meditations-Serie habe ich über den Einstieg in die Meditation und über Vorbereitung und Grundlagen der Meditation (Wo?, Wann?, Wie lange? und Wie sitzen?) geschrieben. Nun sind wir soweit, uns hinzusetzen...

Es macht jedoch wenig Sinn, sich einfach nur so in die Praxis zu stürzen, seine Zeit abzusitzen, den Punkt „Meditation“ auf seiner täglichen Taskliste abzuhaken und dann den restlichen täglichen Tätigkeiten nachzugehen, so als ob nichts gewesen wäre. Anders als beim Zähneputzen, ist es beim Meditieren nicht ausreichend, wenn man seine X Minuten abgesessen hat. Um Deinen Geist zu transformieren, solltest Du versuchen, den Geisteszustand der Meditation allmählich in Deinen Alltag zu integrieren. Der erste Schritt dorthin ist es, die Meditationssitzung ganz bewusst zu beginnen, durchzuführen und abzuschließen.

Vor dem Sitzen – die Inspiration

Vor der Meditation ist es gut in die richtige Stimmung zu kommen. Wie Dein Geist auf die Praxis reagiert, hängt nicht nur von der eigentlichen Sitzung ab, sondern auch davon, wie Du es angehst. Wenn Du es schaffst, vor der Meditation innerlich locker und gelöst zu sein und Dich inspiriert fühlst, dann wird deine Praxis die Kraft haben, alte Gedankenmuster aufzubrechen. Wenn Du die Meditation hingegen als eine unangenehme Pflicht siehst, dann wird sie Dir zur Last werden und nicht viel in Dir verändern können.

Versuche also, schon bevor Du dich hinsetzt, in die richtige Stimmung zu kommen. Wertschätze, dass Du die Freiheit hast zu meditieren, dass Du über Meditation Bescheid weisst und dass Du Dich wieder einmal „überwunden“ hast. Sei Dir bewusst, dass es viele, viele Menschen gibt, die dieses wertvolle Werkzeug nicht kennenlernen und vielleicht auch nicht den passenden Geisteszustand hätten um zu meditieren.

Wenn Du dich dann hinsetzt, atme tief ein und aus. Steige aus dem Alltag für den Zeitraum Deiner Praxis aus und nimm Dir vor, die Meditation mit so viel Aufmerksamkeit und Bewusstheit zu praktizieren, wie Du kannst. Öffne Dich für die ganze Welt, indem Du Dir vorstellst, dass Du mit der Meditation nicht nur Dir selber, sondern für Deine Nächsten und die ganze Welt etwas Gutes tust. Versuche dies nicht nur intellektuell, sondern als tatsächliches Gefühl zu erleben. So wird deine Praxis kraftvoll sein.

Du bist eine Saite des Universums.
Stimme Dich ein, schwinge mit
Das göttlichen Lied singt...
Dich

Während dem Sitzen – der Geisteszustand

In der Meditation verharrt man, äußerlich ruhig – bewegt den Körper nach Möglichkeit nicht –, um auch innerlich ruhig zu werden. Man strebt einen konzentrierten, unabgelenkten und gleichzeitig lockeren und weiten Geisteszustand an. Versuche Deinen Gedanken keine Kraft zu geben, sie nicht zu verfolgen und nicht zu beurteilen. Um diesen Geisteszustand zu erreichen, gibt es verschiedene hilfreiche Techniken. Eine davon ist die Konzentration auf ein äußeres “Objekt”. Das heisst, Du konzentrierst Dich auf einen Gegenstand und kehrst, wenn deine Gedanken abschweifen, mit Deiner Aufmerksamkeit immer wieder zu diesem Objekt zurück.

Es gibt verschiedene Arten von Objekten, auf die man sich konzentrieren kann. Anfangs funktioniert die Meditation auf den Atem sehr gut. Das heisst, dein Atem ist das Objekt Deiner Meditation. Du achtest dabei auf den Fluss der Luft, wie sie ein- und ausströmt. Du legst Deine Aufmerksamkeit auf die Berührung der Luft auf Deinen Lippen oder Deinen Nasenflügeln. Manipuliere Deinen Atem jedoch nicht, er soll natürlich und leicht sein. Achte auch auf die Pausen zwischen dem Ein- und Ausatmen. In diesen Pausen ist Dein Geist normalerweise besonders ruhig.

Wenn Du etwas Übung in der Meditation hast, kann es vorkommen, dass deine Aufmerksamkeit ganz weit wird und sich von Deinem Atem trennt, Du aber trotzdem nicht abgelenkt bist und auch keinen Gedanken nachgehst. Das ist gut. Verharre einfach aufmerksam in diesem offenen Zustand. Und solltest Du wieder abgelenkt werden, dann kehre zu Deinem Atem zurück.

Was auch während der Meditation in Dir und um Dich passiert, welche Gedanken Du auch hast, welche Gefühle und andere Ablenkungen Du auch erlebst, versuche voll konzentriert und unabgelenkt zu verharren. Lass Dich, wenn möglich, nicht von Deinen Gedanken dazu überreden, Deine Sitzung frühzeitig zu beenden. (Für mich ist es gut, einen Medationstimer zu verwenden.) Es ist ganz normal, dass man während der Meditation super wichtige Gedanken hat, dass man besonders tolle Einfälle hat oder dass man ganz, ganz dringend was erledigen muss – sei es auch nur, dass man sich unbedingt am Ohr kratzen muss. Gib dieser scheinbaren Wichtigkeit aber nicht nach! Im Vergleich zum restlichen Tag ist Deine Sitzung ohnehin nur recht kurz. Zum Nasenboren hast du nachher noch genügend Zeit. ;)

Nach der Praxis

Wenn dein Gong läutet und deine Praxis fertig ist – springe nicht gleich auf, sonst verlierst Du den meditativen Geisteszustand sofort wieder. Stelle Dir zunächst vor, dass Du mit Deiner Praxis nicht nur Dir, sondern der ganzen Welt etwas Gutes getan hast. So stellst Du sicher, dass Du aus Deiner Meditation kein neues Ego-Ding machst.

Dann stehe langsam auf und versuche Deine ruhige, geistige Stimmung solange wie möglich beizubehalten. Sogyal Rinpoche sagt, man soll so aufstehen, als ob man ein gebrochenes Bein hätte: ganz achtsam und behutsam. Und wenn Deine Beine eingeschlafen sein sollten, dann ist auch das eine wundervolle Unterstützung um achtsam zu sein...

Nächstes Mal werde ich darüber schreiben, wie man in der Meditation mit seinen Gedanken und anderen Ablenkungen umgehen soll oder kann.

Ich wünsche Dir Atem.

Sean.


Weitere Artikel in der Serie „Grundlagen der Meditation“.

Veröffentlicht am: 9.11.2014