Was ist Wesentlich für unser Glück?

Auf der Suche nach einer kurzen Beschreibung des Themenbereichs, über den ich schreibe und singe bin ich auf das Wort Wesentlich gestossen. Nach kurzen philologischen Überlegungen bin ich zum Schluss gekommen, dass für mich zwei miteinander verbundene Facetten des Wortes Wesentlich am wesentlichsten sind. ;)

  1. Was ist unser Wesen eigentlich und wie finden wir es?
  2. Was ist wesentlich um glücklich zu sein?

Die beiden Punkte sind eng miteinander verknüpft... je mehr wir unser Wesen erkennen und in dieser Bewusstheit leben, desto glücklicher sind wir. Und wenn wir uns auf den direkten Weg zu unserem Glück begeben, dann nähern wir uns auch unserem Wesen. Nur, was ist, der direkte Weg zum Glück?

Viele Wege führen zum Glück – oder auch nicht?

Es gibt (scheinbar) viele Wege zum Glück. Für jeden Typ eine andere Route...

Meine Söhne zum Beispiel erachten es derzeit als wesentlich, coole BMX Videos (z.B.: Danny McAskill) anzuschauen, um dann mit ihren Fahrrädern selber über kleine Holzschanzen zu springen. Meine Frau möchte gerne mehr Handarbeiten, meine Schwägerin möglichst oft auf Urlaub oder Wellness fahren und ich finde es scheinbar wesentlich zu schreiben und Musik zu machen.

Es ist ja auch schön, dass jeder etwas anderes gerne macht. Die Frage ist nur: Wie erfolgreich sind wir denn eigentlich? Erreichen wir mit unseren Strategien, das erwünschte Ziel?

Wenn dem so wäre, müssten wir doch alle längst super-glücklich sein – bei der vielen Zeit und Energie die wir in all die Aktivitäten stecken, von denen wir uns Glück erhoffen. Wenn ich um und in mich schaue, dann sehe ich diesen Überfluss an Glück aber leider (noch) nicht.

Wir verstehen scheinbar nicht wirklich, wie das mit dem Glück funktioniert. Worin wir unser Glück auch suchen, wir erlangen immer nur kurzfristige Befriedigung, statt dauerhafter Glückseligkeit.

Wir sollten uns also fragen:

Was ist wesentlich und was macht uns wirklich Glücklich?

Während unwesentliche Dinge viele sein können, kann das Wesentliche per Definition nicht vielfältig sein, denn Wesentlich ist nunmal der Kern einer Sache. Das wir auf so vielen Wegen zum Glück finden (wenn es denn mal so ist), sollte schon ein starker Hinweis darauf sein, dass es nicht die Wege sind, die uns Glücklich machen.

Was also ist der Kern des Glücks?

Versuchen wir doch, den gemeinsamen Nenner aller Tätigkeiten, die uns vermeintlich zu unseren höchsten Glücksgefühlen verhelfen, zu suchen.

  • Momente großer Glückseligkeit sind meist nur das: Momente. Jeder hat diese Momente schon einmal erlebt: vielleicht beim Sport, beim Sex, beim Erreichen eines hart erarbeiteten Ziels, durch Drogen, im fließenden Moment der Kreativität,… Diese Momente auf einen längeren Zeitraum auszudehnen gelingt uns meistens nicht. Das intensive Erleben des Glücks verliert sich bald und wird durch alltägliche Gedanken verwässert.
  • Die Momente, in denen ich vollauf glücklich bin, gehen immer mit einer Reduktion meiner Gedankentätigkeit einher. Besonders über Zukunft oder Vergangenheit denke ich in diesen Momenten nicht nach.
  • Weiters fühle ich mich in diesen Momenten sehr lebendig. Ich spüre das vibrieren oder pulsieren in meinem Körper und habe das Gefühl voll und ganz bei mir zu sein.
  • In großen Glücksmomenten fühle ich mich weit offen und mit der ganzen Welt verbunden.

Überlege doch mal, ob es bei Dir nicht auch so ist...

Direkt zum Glück...

Wäre es denn nicht vernünftig, direkt an den für das Glück wesentlichen Dingen zu arbeiten, anstatt immer einen Umweg über irgendwelche, weniger zielgerichtete Tätigkeiten zu nehmen?

  • Wenn Glücksmomente immer nur Momente sind, sollten wir dann nicht daran arbeiten, immer in diesem, einem Moment zu verharren?
  • Wenn man im Moment des Glücks (relativ) Gedankenfrei ist, sollten wir nicht direkt daran arbeiten, unsere Gedanken loszulassen?
  • Wenn man sich im Moment des Glücks sehr lebendig fühlt, sollten wir nicht versuchen, immer die Lebendigkeit in uns zu spüren?
  • Wenn man im Moment des Glücks offen und eins mit der ganzen Welt ist, sollten wir dann nicht diese Offenheit kultivieren und daran arbeiten uns weniger als separate Individuen und mehr als Teil des großen Ganzen zu erleben?

Und jetzt – was tun?

An dieser Stelle können wir nicht viel weiter in die Tiefe gehen... aber hier ein paar Schritte zur Glückskultivierung:

  1. Verantwortung übernehmen
    Schärfe Deine Aufmerksamkeit und beobachte Dich selber genau. Du kannst zwar nicht kontrollieren, was in Deinem Leben passiert, aber sehr wohl, wie Du darauf reagierst. Versuche also zu beobachten, wie und wo Du Dich selber vom glücklich sein abhältst...
  2. Trockentraining
    Meditation oder ähnliche Praktiken helfen in einem geschützten Rahmen eben genannte Punkte in Dir zu kultivieren.
  3. Geisteswende
    Versuche deinen Geist umzudrehen und schenke dem vermeintlichen Glück anderer nicht zu viel Aufmerksamkeit. Glück durch Erfolg, Ruhm und Wohlstand wird in unserer Gesellschaft ständig promoted. Hinter den Kulissen schaut's aber meistens nicht so rosig aus. Lass Dich also nicht irreführen, sondern finde heraus, was Dich glücklich macht!
  4. Für andere da sein
    Paradoxerweise scheint der beste Weg zum eigenen Glück der zu sein, sich um das Glück anderer zu kümmern.

    Wie Sogyal Rinpoche sagt:

    Take care of others and your own happiness is taken care of as a matter of course.

    Frei übersetzt:

    Kümmere Dich um Andere und für dein Glück ist automatisch gesorgt.

    Hier ein gutes Video von Sogyal Rinpoche darüber: „We've got it all completely wrong“

Also darf ich jetzt nicht mehr ins Kino gehen, wo es mich doch so glücklich macht?

Natürlich darfst Du. ;)

Das „normale“ Leben geht weiter. Und die normalen Aktivitäten auch. Mir erscheint es nur als Wesentlich, dass Du dich während dem Handeln immer wieder mal daran erinnerst, dass es nicht die äußeren Tätigkeiten oder Dinge sind, die Dich glücklich machen, sondern der losgelöste Geisteszustand, der durch diese Tätigkeiten eventuell in Dir vorgerufen wird.

Also locker sein! Und dementsprechend auch nicht all zu verbissen nach Glück streben... bei mir hat das noch nie gut funktioniert.

Ich wünsch Dir jedenfalls viel „wesentliches“ Glück...

Sean.

Veröffentlicht am: 15.10.2014