Angeschrien & cool geblieben

Gestern, während der Vorbereitungen zu Finleys Geburtstag, ging's bei uns zu Hause mal wieder rund – ich erntete von den Burschen Schreierei und Beschimpfungen – „business as usual“ also. Während mein Trommelfell kräftig wackelte und mich tunlichst bemühte nicht darauf zu reagieren, konnte ich mich glücklicherweise auf einen Tipp besinnen, den ich einmal von Sogyal Rinpoche gehört habe. Ich würde mir wünschen, dauernd super-gelassen zu sein, aber leider schaffe ich es nicht immer. Von Kind zu Kind werde ich aber abgebrühter, durch regelmäßige Meditation bleibe ich auch gelassener und wenn ich es schaffe im rechten Moment an den richtigen Geistestrick zu denken, dann hilft mir das auch sehr. Deshalb möchte ich jetzt besagte Technik mit dir teilen.

Objektiv betrachten & auf die Sinne fokussieren...

Wenn man also von einer Person angeschrien, beschimpft oder auf eine andere Weise beleidigt wird, dann sollte man versuchen nicht darauf zu reagieren. Meist ist es aber nicht einfach, innerliche Ruhe zu waren. Die Worte, der Tonfall, die Geste seines Gegenübers sind zu verlockend und lösen in uns Programme aus, die nur darauf warten, einen äußerlichen Grund zu bekommen, um ihrerseits loszulegen. Um in solchen Krisenmomenten Distanz zu wahren, hilft es sich auf seine Sinneseindrücke zu konzentrieren und die Geschehnisse möglichst objektiv zu betrachten. Wenn man also angeschrien oder beleidigt wird, dann könnte der innere Gedankengang etwa so aussehen:

„Ahh – interessant. Diese Person ist aber laut! Es schmerzt etwas in meinen Ohren und wühlt mich auch innerlich auf. Spannend, welchen Einfluß eine einfache Schallwelle auf mich haben kann. Und die Worte sollen mich scheinbar beleidigen. Warum das wohl so ist? Aber es sind ja nur Worte, Zusammensetzungen von Buchstaben – in sich komplett bedeutungslos. Und Gesichtsausdruck und Gestik dieser Person sind auch etwas wild! Ob sich diese Person so schon mal im Spiegel angesehen hat? Nicht sehr schön. Mit so einem verkrampften Gesicht ist der Bauch sicher auch verkrampft. Diese Person kann sich also offensichtlich nicht wohl fühlen. Das tut mir leid – hoffentlich beruhigt sie sich bald wieder. Einstweilen atme ich mal tief ein und aus, und warte bis sich die Wogen glätten. Nur nicht Öl ins Feuer werfen! Also mit Bedacht reden – oder vielleicht gar nicht reden. Ja, ich sehe, dass die Person eine Reaktion von mir erwartet. Und, ohh, jetzt legt sie sogar noch einen Gang zu. Scheinbar läuft's nicht ganz nach Plan. Aber ich bleibe cool. Auch der wildeste Sturm geht vorüber. Aber ein wenig schmerzhaft ist das schon in meinen Ohren... Wo ist das Ohropax?... “

Keine Bomben für den Frieden...

Wäre es nicht schön, wenn wir auf diese Weise auf äußere Konflikte reagieren könnten? Wir müssen etwas Distanz wahren, Mitleid mit unserem Gegenüber empfinden, tief durchatmen und dann unsere Worte und Reaktion gekonnt wählen, um die Situation zu entschärfen. Aber wir dürfen es nicht als unser primäres Ziel sehen, die Situation zu lösen, denn sonst kann man allzu leicht wieder in den Konflikt mit hineingezogen werden. Bei meinen Kindern geht es mir oft. Im ersten Moment bin ich gelassen, aber irgendwann will ich dann, dass die unangenehme Situation endlich ein Ende nimmt. Und siehe da: schon beginne ich auch zu schreien. Im Namen der Ruhe natürlich! Das ist wie Bomben werfen für den Frieden...

Also halten wir unsere Bomben zurück und betrachten wir die Dinge so wie sie sind, ohne sie uns zu sehr zu Herzen zu nehmen. Und versuchen wir es locker zu sehen und innerlich zu lächeln. Ein wenig Humor kann nie schaden...

Das waren die Neuigkeiten von der Front.

Sean out.

Veröffentlicht am: 27.04.2015