Die Wurzel des Übels

Wenn ich mal nicht so zufrieden bin, versuche ich mich darauf zu besinnen, dass ich es eigentlich ziemlich gut erwischt habe in diesem Leben und es viel mehr Gründe gibt, um glücklich zu sein, als unglücklich zu sein. Ich habe ja schon einmal über den Komfort und Luxus, den wir wertschätzen sollten, geschrieben, da ich sehe, dass eine Wertschätzung unserer guten Umstände uns helfen kann, Zufriedenheit zu kultivieren. Doch reichen die äußeren Umstände nicht aus. Wenn das Glück von außen käme, dann müssten wir doch alle super-happy sein... warum sind dann Depression, Unzufriedenheit, Sucht und so weiter so prominent in unserer Gesellschaft?

Symptom- vs. Ursachenbehandlung

Äußere Umstände (was wir im Leben erreichen, was wir besitzen, was wir tun,...) können uns kurzfristig und oberflächlich glücklich machen, aber nicht dauerhaft. Und selbst wenn wir uns durch sie etwas besser fühlen, bleibt in uns immer noch eine gewisse Restunzufriedenheit übrig. Verbesserung der äußeren Umstände ist wie die Symptombehandlung einer Krankheit. Es ist gut Symptome zu behandeln, damit man sich vorübergehend etwas besser fühlt, aber wenn wir wirklich gesund werden wollen, müssen wir die Ursache erkennen und behandeln.

Nachdem es tausende Gründe für Glück oder Unglück in dieser Welt gibt und wir diese auch nur geringfügig beeinflussen könnten, ist es vernünftig, sich weniger auf die äußeren Einflüsse zu konzentrieren, sondern mehr auf den Zeugen, der diese Eindrücke wahrnimmt, verarbeitet und dann in gut oder schlecht einteilt. Wir sollten uns also fragen:

„Wer oder was leidet? Wer oder was erfährt Glück?“

Im Gegensatz zu den Erfahrungen, die mannigfaltig sind, ist der Zeuge eins. Wir versuchen also zu dieser einen Wahrheit – unseren innere Natur – vorzudringen. Diese Frage ist ähnlich, wie die zentrale Frage, auf der Ramana Maharishi seine Methode der „Selbstergründung“ (Atma Vichara) aufgebaut hat:

„Who is in?”

Man stellt sich diese Frage und wenn eine Antwort auftaucht, wie etwa „Ich bin dieser Körper“ oder „Ich bin die Person mit dem Namen X“, betrachtet man die Antwort genau und hinterfragt, ob das wirklich die finale Antwort sein kann, oder ob noch etwas dahinter steckt. Wenn man dann sieht, dass es sich nur um ein Attribut handelt, mit dem man sich identifiziert, nicht aber um die Qualität der Aufmerksamkeit an sich, dann fährt man mit der Frage fort. So arbeitet man sich Schicht für Schicht an die Quelle seines Ich-Gefühls heran. Es geht jedoch offensichtlich nicht um eine reine intellektuelle Übung, sondern darum die Antwort jenseits des Intellekts zu finden.

Welche Technik wir auch verwenden und wie weit wir auch in der Erkenntnis unserer wahren Natur fortgeschritten sind, wesentlich ist, dass wir uns so oft wie möglich vor Augen halten, dass äußere Erfahrungen nicht die wirkliche Quelle unseres Glücks oder auch unserer Probleme sind. Nur so können wir gelassen bleiben, egal welche Bälle uns das Leben zuwirft.

Sean

Veröffentlicht am: 23.08.2015