Kinder sind keine Produkte

Das Ende unseres ersten Schuljahrs steht vor der Türe. In diesem Jahr haben wir alle einiges gelernt, nicht nur Noah.

Wir haben erstmals den Leistungsdruck, den unsere Gesellschaft auf die Kinder ausübt, zu spüren bekommen. Von befreundeten Eltern und von Eltern, deren Kinder nachträglich, im Laufe des Schuljahrs, in Noahs Klasse gekommen sind, haben wir da schon recht abenteuerliche Geschichten gehört. Es ist traurig, dass unsere Lehrer das Gefühl haben, dass Kinder schon in der ersten Klasse der Volksschule gedrillt werden müssen.

Ein Problemfall?

Nachdem wir in eine Steinerschule gehen, fällt dieser Druck dort vergleichsmäßig geringer aus und das ganze Erziehungskonzept ist wesentlich ganzheitlicher, aber selbst bei uns gab's ein paar Probleme. Das mag damit zu tun haben, dass unsere junge Lehrerin manchmal vielleicht etwas zu engagiert ist. Als wir das erste Mal zu Gesprächen mit ihr eingeladen wurden, dachten wir noch, dass Noah im speziellen ein Problemfall ist, weil er sehr jung war, als er in die Schule gekommen ist – es hieß, dass er nicht aufmerksam genug ist und Unruhe in die Klasse bringt. Anfangs haben wir uns diesbezüglich Sorgen gemacht, doch nach und nach erfuhren wir durch Gespräche mit anderen Eltern, dass auch ihre Kinder zu Problemfällen gemacht wurden – bei jedem Kind war's ein anderes Problem.

Mir ist klar, dass es nicht so einfach ist, die richtige Balance zu finden, die Kinder ausreichend zu fördern, ohne sie zu überfordern und auf Schwächen zu reagieren, ohne daraus Probleme zu machen. Das auch noch in einer Klasse, wo man viele Kinder auf einmal zu betreuen hat, einem Lehrplan folgen und mit der Bürokratie zurechtkommen muss. Deshalb will ich auch nicht schlecht über Lehrer, Schulen oder unser Schulsystem reden, sondern nur erörtern, was ich selber aus diesem Schuljahr gelernt habe...

Die Lektion dieses Jahres...

Die wesentlichste Lektion dieses Schuljahr war für mich, dass wir unsere Kinder nicht in Schablonen stecken dürfen. Wir müssen uns davor hüten, ihnen ein Entwicklungskonzept drüberstülpen zu wollen. Jedes Kind ist einzigartig und entwickelt sich auf seine eigene Art und in seinem eigenen Tempo. Wenn ein Kind also scheinbare Schwächen hat, können wir uns das ansehen und es in diesem Bereich ein klein wenig fördern, wir dürfen das Ganze aber wirklich nicht übertreiben. Mit unserem Erziehungsprogramm können wir zu leicht die natürliche Verspieltheit, Kreativität und Neugierde unserer Kinder ersticken. Und wir machen unsere Kinder schon ganz früh zu Problemfällen – dann ist es nicht mehr weit bis zum Psychotherapeuten oder Medikamenten gegen vermeintliche Aufmerksamkeitsstörungen.

Wir Erwachsene müssen uns zusammenreissen und die Kinder einfach Kinder sein lassen. Wir müssen sie lieben, so wie sie sind und uns davor hüten unsere Erwartungen und Träume in sie herein zu projizieren. Ja, Eltern und Lehrer tragen eine gewisse Verantwortung für die Entwicklung der Kleinen, aber es geht eher darum, ihnen den richtigen Rahmen zu bieten, in dem sie sich entfalten können, als sie mit Zwang durch ein fixes Programm durchzuführen, damit sie am Ende dem Schema entsprechen und gefügige Mitglieder unserer Gesellschaft werden.

Und als Eltern müssen wir ganz einfach zu unseren Kindern stehen, egal was die Welt da draußen über sie sagt! Ich bin in jedem Fall im Laufe dieses Schuljahrs sicherer geworden, dass mit Noah alles gut ist und bin zuversichtlich, dass er sich genau so entwickeln wird, wie er sich entwickeln soll – prächtig natürlich. ;)

Ein Lied

Zum Abschluß gibt's für Dich noch Worte mit Musik... Folgendes Lied, dass ich für meine Tochter Momo geschrieben habe, behandelt im Grunde das selbe Thema, wie dieser Artikel hier. Es ist eine Willkommensbotschaft an alle Neuankömmlinge auf dieser Welt, eine Einladung den Kleinen ihren Weg zu lassen und die Hoffnung, dass sie sich gut zurechtfinden werden sowie die Zuversicht, dass ihr Weg gut sein wird, selbst wenn es zwischenzeitlich düster aussehen mag... Ich habe das Lied gerade vor kurzem gefilmt, wenn es Dich interessiert, kannst Du es Dir auf Youtube ansehen und anhören.

Sean Grünböck - Momo: auf Youtube ansehen + anhören

Ich wünsche Dir Gelassenheit mit den Kindern draußen und auch mit Deinem inneren Kind.

Sean.

Veröffentlicht am: 14.06.2015