Teepause

Grüner Tee

Ich komme aus einer kaffeetrinkenden Familie (vielleicht ist die italienische Großmutter daran schuld), habe mich aber schon vor einigen Jahren dem Tee zugewandt. Meist trinke ich Grüntee, nur wenn ich mal müder bin (was angeblich mit 3 Kindern schon mal vorkommen kann), dann auch mal Schwarztee. Der Weg zum Grüntee ist oft bitter, die Zubereitung voller Geheimnisse und Missverständnisse. Dabei ist's eigentlich gar nicht so schwierig. Das Wasser darf nicht mehr als 80 Grad haben, und ziehen sollte der Tee meist auch nur ganz kurz – ein, zwei Minuten vielleicht –, sonst wird der Tee bitter. Ob man den Tee nun mehrmals aufgiesst und ob man zuerst einen kleinen Aufguss macht, den man wegschüttet, sind Feinheiten die anfangs nicht wichtig sind.

So – und warum schreibe ich nun über Tee?

Der richtig praktizierte Teegenuss kann uns helfen zur Ruhe zu kommen, unsere Aufmerksamkeit schulen und nebenbei schmeckt's auch noch gut. Es kommt nicht von Ungefähr, dass die japanischen Buddhisten die Teezeremonie erfunden haben. Und entdeckt wurde der Tee angeblich auch von Mönchen, welche die ersten Aufgüsse der Pflanze Camilla Sinensis machten, um in der Meditation länger wach bleiben zu können. Also sind wir in guter Gesellschaft, wenn wir uns der Zubereitung und dem Genuss des Tees zuwenden.

Ein kleines Teeritual

Das Schöne am Tee ist, dass bereits die Zubereitung ein meditatives Ritual sein kann, eine kurze Ruhepause inmitten seines geschäftigen Alltags. Also gehen wir's an...

  • Man nehme sich seine Tasse oder Kanne und stecke den Filter hinein.
  • Man wähle den gewünschten Tee (bitte immer nur offenen Tee, keine Teebeutel), öffne die Packung, rieche mit geschlossenen Augen an seinem Tee und fülle dann den Tee in das Sieb (meist ca. einen Teelöffel pro Tasse – in einer Kanne noch einen zusätzlichen Löffel für die Kanne).
  • Man erhitze das Wasser auf 80 Grad. (Wenn man einen Teekocher hat, der eine einstellbare Temperatur hat, dann super – sonst lässt man das Wasser einfach auf 100 Grad kochen und schüttet nachher ein wenig kaltes Wasser dazu.)
  • Man gieße das heisse Wasser über den Tee. Auch hier kann man darauf achten, wie das Wasser über den Tee fließt, wie es dampft, wie der Tee im Wasser aufgeht, wie die ersten Gerüche entstehen.
  • Man warte die besagten 1, 2 Minuten. (Am besten man wendet sich in dieser Zeit nicht einer anderen Tätigkeit zu – oft ist man versucht zwischendurch „noch schnell“ etwas zu machen –, denn dann lässt man den Tee in meiner Erfahrung immer zu lange ziehen. Besser man verbringt die Zeit mit einer kurzen Atemmeditation.
  • Man nehme das Sieb aus der Tasse oder Kanne, lege es in ein dafür vorgesehenes Gefäß.
  • Man serviere den Tee mit dazugehörigen Tassen (falls man eine ganze Kanne gemacht hat) und optionalen Keksen...
  • Man nehme die Tasse in die Hand, fühle die Wärme, atme den Geruch des Tees ein und trinke den Tee genussvoll und langsam.

Hier eine Anweisung von Sen no Rikyū, Meister und Mitentwickler der japanischen Teezeremonie:

„Man verbrennt Kohle und sieht das Wasser kochen, man macht Tee und sieht, daß er gut schmeckt. Es gibt kein anderes Geheimnis.“

Die Teezeremonie

Apropos Teezeremonie. Die ist natürlich wesentlich komplexer, als das eben beschriebene Miniritual. Sie wird außerdem mit Matcha Tee gemacht – das ist gemahlener hochqualitativer Grüntee. Hierbei werden dann neben Kanne und Tassen noch Utensilien wie der Matchalöffel, Matchabesen und die Mischtasse verwendet... über die richtige Teezeremonie zu schreiben, ist jedoch jenseits meiner Kompetenz. Ich erachte es indessen als wichtig, seine eigenen, kleinen Zeremonien in seinen Alltag unterzubringen. Daher sollte das ganze nicht zu kompliziert werden. Aber es darf eben auch nicht zu einfach und vor allem nicht gehetzt sein – sonst hat das ganze keinen Einfluss auf unseren Geisteszustand.

Ich wünsche Dir eine gute Tasse Tee.

Sean

Veröffentlicht am: 27.09.2015